Bifröst — die Regenbogenbrücke zwischen Asgard und Midgard
Der Mythos in Kürze: Was Bifröst ist
Bifröst ist die Regenbogenbrücke der nordischen Überlieferung: der Übergang zwischen Asgard, dem Sitz der Götter, und Midgard, der Welt der Menschen, bewacht von Heimdall an ihrem Ende. Ihr Schicksal beim Untergang der Welt ist überliefert: Beim Ragnarök zerbricht die Brücke unter dem Ansturm von Muspels Söhnen.
Definition: Bifröst im Steckbrief
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Entitäts-Typ | Ein Bauwerk und Übergang zwischen zwei Welten der nordischen Kosmologie, keine Figur im engeren Sinn |
| Auch bekannt als | Regenbogenbrücke; zusätzlich gebräuchlich ist die diakritikfreie Form Bifrost |
| Wächter | Heimdall, an seiner Halle Himinbjörg am Brückenende |
| Verbundene Welten | Asgard und Midgard |
| Belegtes Schicksal | Zerbricht beim Ansturm von Muspels Söhnen beim Untergang der Götter, dem Ragnarök |
| Hauptquelle | Snorri Sturluson, Gylfaginning, in der Übersetzung Karl Simrocks von 1876 |
| Verwandte Seiten | Neun Welten, Ragnarök, Yggdrasil |
Der Steckbrief bündelt ausschließlich die Angaben zu Bifröst als eigenständiger Entität.
Der Mythos: Bifröst in der Überlieferung
Die Götter bauen eine Brücke vom Himmel zur Erde, die Bifröst heißt: Sie trägt drei Farben und ist mit mehr Kunst gemacht als andere Werke, doch schon in ihrer Erschaffung liegt die Vorausdeutung, dass sie zerbrechen wird, wenn einst Muspels Söhne kommen, um über sie zu reiten. Jeden Tag reiten die Asen von Asgard über die Brücke, auch Asenbrücke genannt, hinunter zu Urds Brunnen, wo ihre Gerichtsstätte liegt, während am anderen Ende, in Midgard, die Menschen unter ihr wandeln. Heimdall, der weiße As, ist der Wächter der Götter über die Brücke; er wohnt an ihrem Ende, um sie vor den Bergriesen zu bewahren. Am Tag des Untergangs löst sich die Vorausdeutung ein: Muspels Söhne reiten unter Surtur über Bifröst, und die Brücke zerbricht, der Zusammenbruch in Ragnarök, den die Überlieferung selbst ankündigt.
„Unter der dritten Wurzel der Esche, die zum Himmel geht, ist ein Brunnen, der sehr heilig ist, Urds Brunnen genannt: da haben die Götter ihre Gerichtsstätte; jeden Tag reiten die Asen dahin über Bifröst, welche auch Asenbrücke heißt.“
Gylfaginning, Simrock 1876, Kapitel 15.
„Von diesem Lärmen birst der Himmel: da kommen Muspels Söhne hervorgeritten. Surtur fährt an ihrer Spitze, vor ihm und hinter ihm glühendes Feuer. […] Indem sie über die Brücke Bifröst reiten, zerbricht sie, wie vorhin gesagt ward.“
Gylfaginning, Simrock 1876, Kapitel 51.

Namensherkunft: Ein offener Befund
Zur Herkunft des Namens Bifröst liegt keine eigene Fundstelle vor. Die deutsche Wikipedia nennt einen Deutungsansatz (zum Verb bifask, schwanken), den keine geprüfte Ausgabe belegt. Diese Seite hält den Befund offen.
Attribute: Wächter, Verbindung und Farbe
Drei Merkmale prägen Bifröst in der Überlieferung:
- Wächter: Heimdall wohnt an seiner Halle Himinbjörg, unmittelbar am Ende der Brücke, und bewacht sie vor den Bergriesen, die sie sonst ersteigen könnten.
- Verbindung: Die Brücke reicht vom Himmel, dem Sitz der Asen in Asgard, hinunter zur Erde, Midgard, der Welt der Menschen.
- Farbdeutung: Die Brücke trägt drei Farben; das Rote darin ist brennendes Feuer, das den Aufstieg der Hrimthursen und Bergriesen zum Himmel verhindert.
Verwandtschaft und Bezüge: Neun Welten, Ragnarök und Yggdrasil
Vier Bezüge verbinden Bifröst mit benachbarten Themen der Überlieferung:
- Neun Welten: Innerhalb dieses Ordnungssystems ist Bifröst der Übergang zwischen zwei der neun Welten, Asgard, dem Sitz der Götter, und Midgard, der Welt der Menschen.
- Ragnarök: Beim Untergang der Götter bricht die Brücke unter dem Ansturm von Muspels Söhnen zusammen, wie der Mythos-Abschnitt oben mit Fundstelle zeigt.
- Yggdrasil: Beide Entitäten gehören zur selben kosmologischen Ordnung der Welten, die sich um den Weltenbaum Yggdrasil spannt.
- Die nordische Mythologie: Die Gesamtübersicht ordnet Bifröst in den Kokon der Überlieferung ein, neben Figuren, Orten und Ereignissen.
Wo das steht: Ausgabe und Fundstellen
Jede Aussage dieser Seite ist mit Ausgabe, Übersetzer und Kapitel belegt. Hauptquelle ist die Gylfaginning, in der Übersetzung Karl Simrocks von 1876, gemeinfrei seit 1946 nach §64 UrhG. Eine vollständige Übersicht aller verwendeten Ausgaben führt die Seite zu den Edda-Quellen.
| Aussage | Werk | Ausgabe und Übersetzer | Kapitel |
|---|---|---|---|
| Brückeneinführung, drei Farben, Vorausdeutung auf Ragnarök | Gylfaginning | Simrock, 1876 | Kap. 13 |
| Asenbrücke, tägliches Reiten der Asen zu Urds Brunnen | Gylfaginning | Simrock, 1876 | Kap. 15 |
| Rote Farbe als brennendes Feuer, Schutz vor Bergriesen | Gylfaginning | Simrock, 1876 | Kap. 15 |
| Himinbjörg, Heimdalls Halle am Ende der Brücke | Gylfaginning | Simrock, 1876 | Kap. 17 |
| Heimdall als Wächter der Götter | Gylfaginning | Simrock, 1876 | Kap. 27 |
| „Bifröst der Brücken“, poetische Superlativ-Aufzählung | Gylfaginning | Simrock, 1876 | Kap. 41 |
| Einsturz der Brücke beim Ansturm von Muspels Söhnen | Gylfaginning | Simrock, 1876 | Kap. 51 |
Ein Hinweis zur Lesart: Gylfaginning Kap. 13 nennt als Endpunkte der Brücke wörtlich nur Himmel und Erde, nicht Asgard und Midgard. Die Gleichsetzung ergibt sich erst aus zwei weiteren Stellen (Kap. 9: Asgard als Burg mitten in der Welt; Kap. 8: Midgard aus Ymirs Augenbrauen), sachlich richtig, aber nicht wörtlich in Kap. 13 selbst.
Was das heute bedeutet
Was hier folgt, ist Deutung und Rezeption, nicht der überlieferte Mythos selbst. Die Marvel-Filmreihe um Thor aus dem Jahr 2011 leiht sich Namen und Grundmotiv der Brücke: Heimdall tritt darin als Wächter zwischen den Welten auf, und Loki plant, die Brücke zur Zerstörung Jötunheims einzusetzen. Am Ende zerstört Thor selbst die Brücke, um Lokis Plan zu stoppen. Die Überlieferung selbst gibt diesen Verlauf nicht wortgetreu wieder; beide Erzählungen bleiben hier bewusst getrennt.
Nicht zu verwechseln mit: Regenbogen und Regenbogenbrücke
Bifröst ist keine bloße Beschreibung des Regenbogens als Naturphänomen: Die Brücke ist eine eigenständige mythologische Entität mit eigenem Wächter und belegtem Schicksal beim Untergang der Welt. Im deutschen Sprachraum ist „Regenbogenbrücke“ zugleich ein geläufiger Ausdruck für den Übergang verstorbener Haustiere ins Jenseits. Diese Seite behandelt ausschließlich die mythologische Bifröst der nordischen Überlieferung; die beiden Bezeichnungen teilen die Wortform, keine inhaltliche Verbindung.
Leserfragen zu Bifröst
Was ist Bifröst?
Bifröst ist die Regenbogenbrücke der nordischen Mythologie zwischen Asgard und Midgard, bewacht von Heimdall, wie die Gylfaginning in Kapitel 15 und 27 überliefert.
Wer bewacht die Regenbogenbrücke?
Heimdall bewacht die Brücke. Er wohnt an seiner Halle Himinbjörg am Ende von Bifröst und schützt sie laut Gylfaginning, Kapitel 17 und 27, vor den Bergriesen.
Wer hat den Bifröst zerstört?
Im Mythos reiten Muspels Söhne unter Surtur beim Ragnarök über die Brücke, die dabei zerbricht, laut Gylfaginning, Kapitel 51. Zur modernen Rezeption dieser Frage siehe Abschnitt Was das heute bedeutet.
Ist Bifröst dasselbe wie der Regenbogen?
Nein. Die Brücke trägt zwar eine Farbdeutung, drei Farben, wobei Rot für brennendes Feuer steht, ist aber eine eigenständige mythologische Entität mit Wächter und belegtem Schicksal, keine bloße Beschreibung des Naturphänomens.
Quellen und Ausgaben
Zitiert werden ausschließlich Wikisource-Digitalisate der Simrock-Ausgabe von 1876; moderne kritische Editionen, die unter §70 UrhG Leistungsschutz genießen könnten, werden nicht verwendet.
- Karl Simrock: *Die Edda, die ältere und jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda*, 6. verbesserte Auflage, Stuttgart 1876. Verwendete Leitausgabe dieser Seite für die Gylfaginning; gemeinfrei seit 1946 nach §64 UrhG.
- Snorri Sturluson: Verfasser der Gylfaginning, zitiert nach der Übersetzung Karl Simrocks.
Auswahlregel: Ausgewählt werden ausschließlich gemeinfreie Ausgaben, jede Ausgabe wird dabei einzeln auf ihre Gemeinfreiheit geprüft; diese Seite bietet keine Rechtsberatung.
Diese Seite trägt ein ehrliches Bearbeitungsdatum statt eines Zeitstempels: zuletzt bearbeitet am 22. September 2026. Redaktion: Katharina Fischer