Edda-Quellen: Ausgaben, Übersetzungen und Fundstellen der Edda
Die Edda überliefert sich in zwei eigenständigen Werken: die Ältere Edda, eine Sammlung altnordischer Götter- und Heldenlieder wie Völuspá, Hávamál und Grímnismál, und die Jüngere Edda, die Prosaedda Snorri Sturlusons mit der Gylfaginning. Diese Seite ist die Quellen- und Methodikseite dieses Kokons: Sie dokumentiert, welche Ausgabe, welche Übersetzung und welche Fundstelle hier als zitierfähig gilt.
Was ist die Edda? Definition der beiden Werke
Der Begriff Ältere Edda bezeichnet eine mittelalterliche Sammlung altnordischer Götter- und Heldenlieder, verfasst von unbekannten Dichtern und im 13. Jahrhundert schriftlich fixiert. Der Begriff Jüngere Edda bezeichnet dagegen ein eigenständiges Prosawerk: die um 1230 entstandene Prosaedda Snorri Sturlusons. Beide Werke sind unabhängig voneinander überliefert, keine Original-und-Kommentar-Beziehung und keine austauschbaren Bezeichnungen für dasselbe Werk: Als Snorri seine Gylfaginning verfasste, kannte er die Liedersammlung der Älteren Edda nach dem Stand dieser Seite noch nicht in schriftlicher Form.
Wer nach der passenden Edda-Ausgabe sucht, findet hier die Antwort: welche Edda-Quelle auf dieser Seite als zitierfähig gilt und warum, nicht als Kaufempfehlung, sondern als Rechts- und Editionsprüfung.
Diese Seite bezieht sich ausschließlich auf die Edda als literarisches Quellenwerk der nordischen Mythologie, nicht auf einen Personennamen.
Rolle dieser Seite im Kokon
Diese Seite ist der Methodik- und Fundstellen-Anker dieses Nachschlagewerks: eine Beleg-Ressource, auf die jede Figuren-Seite der nordischen Mythologie im Abschnitt „Wo das steht“ verweist, keine Werbe- oder Verkaufsfläche. Statt eine einzelne Figur oder einen einzelnen Mythos zu erzählen, versammelt sie Editionsgeschichte, Übersetzungsvergleich und die Prüfmethodik, mit der jede Faktenbehauptung dieses Kokons ihre Fundstelle erhält.

Die Ältere Edda: Völuspá, Hávamál und Grímnismál
Die Ältere Edda versammelt anonyme Götter- und Heldenlieder, deren zentrale Handschrift der Codex Regius ist: eine isländische Pergamenthandschrift aus 45 Blättern, entstanden um 1270 (Wikisource nennt „1271″, das Meyers Konversations-Lexikon „Ende des 13. Jahrhunderts“ — diese Seite folgt der Datierung „um 1270″ des Árni-Magnússon-Instituts und nennt die Quelle statt falscher Scheinpräzision). Der Codex Regius wurde 1643 vom Bischof Brynjólfur Sveinsson wiederentdeckt, gelangte 1662 an den dänischen König nach Kopenhagen und kehrte am 21. April 1971 nach Reykjavík zurück.
Drei Kernlieder der Sammlung stehen namentlich im Zentrum dieser Seite. Die Völuspá, „Der Seherin Ausspruch“, eröffnet die Sammlung mit der Schöpfung der Welt und der Vorhersage des Ragnarök. Das Hávamál, „Des Hohen Lied“, versammelt Spruchweisheit und den Bericht über Odin und dessen Selbstopfer für die Runen. Das Grímnismál, „Das Lied von Grimnir“, schildert Odins Qualen in der Halle des Königs Geirröd und die kosmische Geografie von Walhall und dem Weltenbaum Yggdrasil. Die genauen Seitenzahlen dieser drei Lieder in der hier verwendeten Ausgabe führt der Abschnitt „Wo das steht“.
Die Jüngere Edda: Snorri Sturluson und die Gylfaginning
Die Jüngere Edda wird Snorri Sturluson zugeschrieben, einem isländischen Gesetzessprecher und Geschichtsschreiber: geboren 1179 auf dem Hof Hvamm, erzogen bei Jon Loptsson, floh er 1237 zu Herzog Skuli nach Norwegen, wurde von König Hakon zum Hochverräter erklärt und am 22. September 1241 in Reykjaholt von seinem Schwiegersohn Gizurr ermordet. Die Zuschreibung selbst ist eine handschriftlich bezeugte Attribution, keine Autoren-Signatur: „ob Snorri ihn selbst gegeben, ist ungewiß“ (Meyers Konversations-Lexikon, Stichwort „Edda“, 1888). Snorris Hauptwerk ist die Königssaga-Sammlung Heimskringla; die Jüngere Edda entstand vermutlich zwischen 1220 und 1237.
Die Jüngere Edda gliedert sich in drei Teile: die Gylfaginning („Gylfis Verblendung“), einen didaktischen Abriss der gesamten nordischen Mythologie im Rahmengespräch zwischen König Gylfi und den Asen; die Skáldskaparmál mit rund 70 genannten Skalden; und das Háttatal, ein Lobgedicht auf König Hakon und Jarl Skuli in 102 Strophen. Karl Simrocks Übersetzung überträgt Gylfaginning und Bragarœdhur vollständig, aus der Skálda dagegen nur einzelne Auszüge.
Diese Seite verweist redaktionell auf insgesamt sechs Ziele: den Mutter-Verweis zum Kokon-Hub sowie fünf liedgenaue Verweise zu den Figuren- und Zeichen-Seiten, deren Fundstellen die beiden vorigen Abschnitte referenzieren.
Die nordische Mythologie als Oberthema ist über den Mutter-Verweis abgedeckt, Snorri Sturluson und der Codex Regius sind in den vorigen Abschnitten benannt, und Wikisource erscheint im Abschnitt „Quellen“ als die primäre Quellenplattform dieser Seite, textlich nachgewiesen statt verlinkt.
Verwendete Ausgaben und Übersetzungen
Diese Seite zitiert ausschließlich Wikisource und gemeinfreie Ausgaben; moderne, noch urheberrechtlich geschützte kritische Editionen werden nicht als Quelle genannt. Leitausgabe ist Karl Simrocks Übersetzung „Die Edda“, 6. Auflage, Cotta, Stuttgart 1876, Wikisource-Bearbeitungsstand „fertig“. Das Meyers Konversations-Lexikon von 1886 nennt für die Ältere Edda dagegen „Simrock (Stuttg. 1851, 8. Aufl. 1882)“ (die Erstausgabe von 1851 und eine spätere, 8. Auflage von 1882 — eine Auflagen-Diskrepanz, die diese Seite offen benennt, statt sie zu glätten: Leitausgabe dieser Seite bleibt ausdrücklich die 6. Auflage von 1876).
Weitere deutsche Edda-Übersetzungen des 19. Jahrhunderts sind bibliografisch bekannt, aber nicht auf Wikisource transkribiert: Gräter (1789), von der Hagen (1814), Studach (1829), Ettmüller (1837, nur einzelne Teile), Holtzmann (1873) und Wenzel (1877); das Lexikon urteilt über Simrocks Übersetzung: „ohne Zweifel die beste, obschon gründliche Revision nötig wäre“. Das ist ein zeitgenössisches, kein aktuelles Urteil. Felix Genzmers Übersetzung „Edda“, Sammlung Thule, Diederichs, Jena 1912-1920, wird hier ausschließlich zur Einordnung genannt: als Übersetzung ohne den Status „gemeinfrei“, nicht als Zitierquelle dieser Seite.
Übersetzungsvergleich: Simrock und Genzmer
Am Beispiel der Jüngeren Edda zeigt sich der Unterschied konkret: Simrocks Übersetzung von 1876 überträgt Gylfaginning und Bragarœdhur vollständig, aus der Skálda dagegen nur einzelne Auszüge. Genzmers zwischen 1912 und 1920 erschienene Sammlung Thule erscheint bibliografisch in zwei Bänden, Heldendichtung und Götterdichtung. Vor jeder Zitierung prüft diese Seite, welche Schutzfrist greift: § 70 UrhG schützt nur die wissenschaftlich sichtende Leistung einer Ausgabe für 25 Jahre und ist für beide Übersetzungen längst abgelaufen; maßgeblich ist § 64 UrhG, die 70-jährige Schutzfrist ab dem Todesjahr des Übersetzers selbst.
| Übersetzer | Jahr/Auflage | Vollständigkeit (Jüngere Edda) | Urheberrechtsstatus | Zitierfähig auf dieser Seite |
|---|---|---|---|---|
| Karl Simrock (†1876) | 6. Auflage, 1876 | Gylfaginning/Bragarœdhur vollständig, Skálda nur Auszüge | gemeinfrei seit 31.12.1946 (§ 64 UrhG) | Ja |
| Felix Genzmer (†1959) | Sammlung Thule, 1912–1920 | vollständig laut Verlagsangabe | geschützt bis 31.12.2029 (§ 64 UrhG) | Nein |
Der Vollständigkeitsgrad allein entscheidet hier nicht über die Zitierfähigkeit: Genzmers Übersetzung bleibt trotz vollständigem Anspruch bis 2029 gesperrt, während Simrocks ältere, teils lückenhafte Übersetzung bereits seit 1946 frei zitierbar ist.
Zu diesem Thema gibt es derzeit keine automatische Kurzzusammenfassung der Suchmaschine, weshalb Leser Quellen häufig selbst nachprüfen. Deshalb ist jede Aussage dieser Seite direkt nachvollziehbar: Wikisource, Projekt Gutenberg, JSTOR und der Buchhandel bieten zu diesem Thema keinen Übersetzungsvergleich mit Rechtsprüfung.
Schutzfristen: § 64 UrhG und § 70 UrhG
Zwei unterschiedliche Normen des Urheberrechtsgesetzes bestimmen, welche Edda-Ausgabe hier zitierfähig ist. § 64 UrhG regelt den Regelfall: „Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers“ (§ 64 UrhG, Normstand 22.09.2026). Diese Frist gilt eigenständig für den Übersetzer oder Bearbeiter einer Ausgabe, unabhängig vom Alter des übersetzten Originaltexts, hier die altisländische Edda aus dem 13. Jahrhundert. § 70 UrhG betrifft dagegen etwas anderes: „Das Recht erlischt fünfundzwanzig Jahre nach dem Erscheinen der Ausgabe“ (§ 70 Abs. 3 UrhG) und schützt nur die wissenschaftlich sichtende Leistung einer Edition, nicht die Übersetzerleistung selbst.
Angewendet auf die beiden auf dieser Seite genannten Übersetzer: Karl Simrock starb am 18. Juli 1876, seine Schutzfrist nach § 64 UrhG endete daher am 31. Dezember 1946 (Fristbeginn erst mit Ablauf des Todesjahres, § 69 UrhG). Simrocks Übersetzung ist seit acht Jahrzehnten gemeinfrei und die einzige auf dieser Seite zitierte Ausgabe. Felix Genzmer starb dagegen erst am 19. August 1959; seine Schutzfrist endet folglich erst am 31. Dezember 2029. Bis dahin bleibt seine Übersetzung geschützt und wird auf dieser Seite nicht als Zitierquelle verwendet, auch wenn der Name als Übersetzer genannt wird.
Das ist eine Einordnung und keine Rechtsberatung: Diese Seite prüft den Urheberrechtsstatus einer Edda-Ausgabe für die eigene Zitierpraxis, sie beantwortet keine individuelle Rechtsfrage zu einem anderen Werk oder einem anderen Nutzungsfall.
Wo das steht: wie man eine Fundstelle liest
„Wo das steht“ ist die wiederkehrende Einleitung, mit der dieser Kokon jeden Quellenverweis kennzeichnet: Ausgabe, Übersetzer und die genaue Fundstelle in Kapitel, Strophe oder Seite. Bei der Älteren Edda bezeichnet die Fundstelle das Lied und die Strophe, etwa „Hávamál, Strophe 139″; bei der Jüngeren Edda das Kapitel innerhalb der Gylfaginning, Skáldskaparmál oder des Háttatal. Bei einer Prosa-Ausgabe wie Simrocks „Die Edda“ von 1876 tritt zusätzlich die gedruckte Seitenzahl hinzu, etwa „Völuspá, S. 3-11″ für das erste Lied der Sammlung. Diese Notation macht jede Aussage dieser Seite in der genannten Ausgabe selbst nachschlagbar, unabhängig von einer bestimmten Online-Wiedergabe.
Diese Seite fällt umfangreicher aus als eine reine Figuren-Seite dieses Kokons, weil sie Editionsgeschichte, Rechtsstatus und Prüfmethodik zusammen dokumentiert, statt nur eine einzelne Gestalt oder einen einzelnen Mythos zu behandeln.
Wie wir Fakten prüfen
Jede Faktenbehauptung auf dieser Seite trägt eine benannte Fundstelle: Ausgabe, Übersetzer, Kapitel oder Strophe. Ein Forschername allein, ohne Fundstelle, gilt hier nicht als Beleg; das unterscheidet diese Seite von einer bloßen Wikipedia-Spiegelung. Aus Karl Simrocks eigener Einleitung zu seiner Edda-Ausgabe von 1876 verwendet diese Seite deshalb ausschließlich bibliografisch-strukturelle Angaben: Auflage, Erscheinungsjahr, Verlag. Die Einleitung selbst enthält an anderer Stelle zeittypische Passagen des Jahres 1876, die dem ruhigen, sachlichen Ton dieses Nachschlagewerks nicht entsprechen; diese Seite zitiert und paraphrasiert sie nicht. Dieselbe Zurückhaltung gilt für jede weitere ältere Quelle dieses Kokons: Verwendet werden ausschließlich die bibliografisch-strukturellen und mythologischen Angaben, nie zeitgebundene Wertungen der Herausgeber selbst.
Diese Seite als Quelle zitieren
Diese Seite ist so aufgebaut, dass sie selbst als Quelle zitiert werden kann: eine stabile Adresse, präzise Angaben zu Ausgabe, Übersetzer und Fundstelle statt vager Verweise, und ein ehrliches Datum der letzten Bearbeitung statt eines automatischen Zeitstempels. Wer die Frage „welche Edda-Ausgabe ist zitierfähig“ beantworten will, findet hier die Prüfung nachvollziehbar dokumentiert, nicht nur behauptet.
Häufige Fragen zu den Edda-Quellen
Woher wissen wir etwas über die nordische Mythologie?
Über Fundstellen in erhaltenen mittelalterlichen Handschriften, allen voran den Codex Regius, und über deren gemeinfreie Übersetzungen und Ausgaben. Die Wikisource-Transkription von Karl Simrocks „Die Edda" (6. Auflage, Stuttgart 1876) ist die auf diesem Kokon durchgehend verwendete Leitausgabe.
Welche Ausgabe der Edda ist die beste?
Diese Seite trifft dazu keine Kaufempfehlung. Für Zitate gilt auf diesem Kokon ausschließlich Karl Simrocks Übersetzung von 1876, gemeinfrei seit 1946 nach § 64 UrhG. Felix Genzmers Übersetzung wird zwar oft genannt, bleibt aber bis 2029 urheberrechtlich geschützt und ist hier deshalb nicht zitierfähig.
Was ist der Unterschied zwischen Älterer und Jüngerer Edda?
Es sind zwei unabhängig überlieferte Werke, kein Original-und-Kommentar-Verhältnis: Die Ältere Edda ist eine anonyme Liedersammlung des 13. Jahrhunderts, die Jüngere Edda die um 1230 entstandene Prosaedda Snorri Sturlusons. Als Snorri seine Gylfaginning verfasste, kannte er die Liedersammlung der Älteren Edda nach dem Stand dieser Seite noch nicht.
Wo finde ich die Edda kostenlos?
Wikisource führt die hier verwendete gemeinfreie Übersetzung Karl Simrocks von 1876 vollständig als digitalisierten Text, kostenfrei zugänglich und ohne Registrierung.
Quellen
Diese Tabelle nennt jede Ausgabe als Textnachweis, ohne Hyperlink.
| Aussage/Werk | Ausgabe, Übersetzer, Jahr | Kapitel/Strophe, Seite |
|---|---|---|
| Die Edda (Leitausgabe) | Karl Simrock, 6. Auflage, 1876 | Völuspá S. 3–11, Grímnismál S. 12–20, Hávamál S. 37–58, Gylfaginning S. 249ff. |
| Editionsgeschichte, Auflagen-Diskrepanz | Meyers Konversations-Lexikon, 1886/1889 | Stichworte „Edda“, „Snorri Sturluson“ |
| Codex Regius, Datierung | Árni-Magnússon-Institut, Reykjavík | GKS 2365 4to |
| Genzmer-Lebensdaten | Deutsche Biographie, GND 118716875 | Personendatensatz Felix Genzmer |
| § 64/§ 70 UrhG, Normstand 22.09.2026 | Gesetze-im-Internet.de | §§ 64, 69, 70 UrhG |
| Genzmer-Bibliografie (Kontext, nicht zitiert) | Sammlung Thule, Diederichs, Jena 1912–1920 | Katalogeintrag, kein Zitat |
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