Die Neun Welten der nordischen Mythologie entlang Yggdrasils

Stich: Ein Baum spannt mit den Ästen einen Bogen über eine Felseninsel im Wasser, unten wird die Wurzel zur Schlange.
Friedrich Wilhelm Heine, 1886, gemeinfrei. Stich der Weltesche Yggdrasil mit ihren Bewohnern im Geäst, deren Äste sich bogenförmig über eine Felseninsel im Wasser wölben, während die Wurzel unten in eine Schlangenfigur übergeht, aus Wilhelm Wägners Ausgabe Asgard and the Gods (London: Swan Sonnenschein, Le Bas & Lowrey, 1886, S. 27).

Der Mythos in Kürze: Die neun Welten entlang Yggdrasils

Die Neun Welten sind das kosmologische Sammelkonzept der nordischen Überlieferung: neun benannte Reiche, verbunden über den Weltenbaum Yggdrasil, dessen Wurzeln und Äste sie miteinander verknüpfen. Diese Seite führt alle neun Welten mit ihrer jeweiligen Fundstelle auf und ordnet sie in die Kosmologie der Überlieferung ein.

Die neun Welten im Steckbrief: Struktur, verwandte Welten und Quellen

Die folgende Steckbrief-Tabelle bündelt Wesensart, Struktur und Quellen der Neun Welten in kompakter Form.

MerkmalAngabe
MythologieNordische Überlieferung
SammelkonzeptNeun Welten, ein kosmologisches Ordnungssystem, kein einzelnes Wesen
StrukturVerbunden über den Weltenbaum Yggdrasil
Zahl/UmfangNeun benannte Welten, siehe die Übersicht im nächsten Abschnitt
Verwandte EntitätenYggdrasil, Helheim, Jötunheim, Zwerge/Svartálfaheim, Bifröst, Walhall
HauptquelleKarl Simrock, Die Edda, die ältere und jüngere, Stuttgart, 6. Auflage, 1876

Die neun Welten im Überblick

Die folgenden neun Welten bilden zusammen das kosmologische Gesamtsystem der Überlieferung, jede mit einer kurzen einordnenden Beschreibung.

  • Asgard ist die Burg mitten in der Welt, errichtet als Sitz der Asen und ihres Geschlechts, nach der Erschaffung Midgards.
  • Midgard entstand aus den Augenbrauen des erschlagenen Urriesen Ymir, als Schutzburg gegen die Riesen und als die den Menschen zugeordnete Welt.
  • Jötunheim ist das Reich der Jötnar und tritt in der Überlieferung mehrfach als Handlungsort auf; eine eigene Seite dieses Kokons vertieft Herkunft und Rolle dieser Riesen.
  • Helheim ist die Totenwelt der Überlieferung, in der Hel über die zu ihr gesendeten Toten herrscht; die eigene Seite zu Hel führt ihre vollständige Geschichte.
  • Niflheim ist die vorzeitliche, kalte Nebelwelt, die schon vor der Erschaffung der Erde bestand; in ihrer Mitte liegt der Brunnen Hwergelmir, aus dem mehrere benannte Flüsse entspringen.
  • Muspellheim ist die südliche Feuerwelt, hell und heiß und allen unzugänglich, bewacht von Surtur mit seinem flammenden Schwert.
  • Álfheim ist der Wohnsitz der Lichtalben, gelegen bei Urds Brunnen.
  • Svartálfaheim ist der Wohnsitz der Schwarzalben, die den Lichtalben ungleich von Angesicht sind und mit den Zwergen der Überlieferung verwandt gelten; eine eigene Seite dieses Kokons vertieft dieses Volk.
  • Vanaheim ist die Heimat der Wanen und die Herkunftswelt des Gottes Njörd, der im Rahmen eines Geiseltauschs zu den Asen kam.

„Neun Welten kenn ich, neun Äste weiß ich An dem starken Stamm im Staub der Erde.“

Völuspâ, Ältere Edda, Strophe 2, in der Übersetzung Karl Simrocks (Die Edda, Stuttgart, 6. Auflage, 1876).

Ein Hinweis zur Genauigkeit: An der Stelle, an der Yggdrasils drei Wurzeln beschrieben werden, steht nicht wörtlich der Ausdruck „neun Welten“ — die Übersetzung nennt dort konkret drei Wurzeln zu drei Bereichen: zu den Asen, zu den Hrimthursen, die dritte über Niflheim (Gylfaginnîng, Kap. 15–16, Simrock 1876). Der Wortlaut „neun Welten“ selbst steht ausschließlich in der zuvor zitierten Strophe der Völuspâ.

Namensherkunft: Die Bildung auf ‚-heim‘ und die Ausnahme Asgard

Acht der neun Namen folgen einem wiederkehrenden Bildungsmuster: die Nachsilbe „-heim“ erscheint in Midgard, Jötunheim, Helheim, Niflheim, Muspellheim, Álfheim, Svartálfaheim und Vanaheim. Eine Ausnahme bildet Asgard, dessen Name stattdessen auf „-gard“ endet. Eine genauere Herleitung der einzelnen Namensbestandteile nennt diese Seite bewusst nicht, weil sie in den geprüften gemeinfreien Quellen nicht belegt ist.

Bei der Schreibung zeigt sich eine Lesartdifferenz zwischen Ausgabe und heutiger Normalisierung: Die hier verwendete, im Register geführte Form (Álfheim, Svartálfaheim, Muspellheim, Vanaheim) weicht von Simrocks eigener Schreibung ab, der 1876 Alfheim, Schwarzalfenheim, Muspelheim und Wanaheim schrieb (Wikisource-Registerindex, Simrock 1876). Diese Seite benennt die Abweichung offen, statt sie stillschweigend zu glätten.

Kosmologie: Struktur und Gegensatzpaare der neun Welten

Drei Leitmerkmale beschreiben die Struktur dieser Kosmologie:

  • Kosmologie als Ordnungsrahmen: Der Begriff bezeichnet das Gesamtsystem der neun Welten als zusammenhängende Ordnung, nicht als lose Sammlung einzelner Orte.
  • Verbindung über Yggdrasil: Der Weltenbaum verbindet die Welten über seine drei Wurzeln, die zu den Asen, zu den Hrimthursen und über Niflheim reichen, wie im vorigen Abschnitt bereits präzisiert.
  • Elementares Gegensatzpaar: Das Zusammentreffen von Kälte aus Niflheim und Glut aus Muspellheim in Ginnungagap löst laut der Überlieferung die Weltentstehung aus und gibt dem Urriesen Ymir Leben.

Verwandtschaft und Bezüge: Yggdrasil, Hel, Jötunheim, Zwerge, Bifröst und Jörmungandr

Diese sechs unterstützenden Entitäten stehen in direktem Bezug zu den neun Welten:

  • Yggdrasil ist der Weltenbaum, der die neun Welten trägt und verbindet, selbst aber keine der neun Welten ist.
  • Hel herrscht über die Totenwelt Helheim, eine der neun Welten.
  • Jötunn und Riesen bewohnen Jötunheim, das Reich der Jötnar.
  • Die Zwerge sind mit Svartálfaheim verbunden, der Welt der Schwarzalben.
  • Bifröst ist die Regenbogenbrücke, über die die Asen täglich zur Gerichtsstätte an Urds Brunnen reiten.
  • Jörmungandr, die Midgardschlange, trägt bereits im Namen die Bindung an die Welt Midgard.
  • Eine Übersicht der nordischen Mythologie ordnet die neun Welten in den größeren Zusammenhang des gesamten Kokons ein.

Wo das steht: Ausgabe, Übersetzer und Fundstelle je Welt

Jede Aussage dieser Seite ist mit Ausgabe, Übersetzer und Kapitel beziehungsweise Strophe belegt. Der Ausdruck „neun Welten“ selbst steht an drei Stellen der Übersetzung. Eine vollständige Übersicht aller verwendeten Ausgaben führt die Seite zu den Edda-Quellen.

AussageWerkAusgabe und ÜbersetzerKapitel bzw. Strophe
„Neun Welten“ wörtlichVöluspâSimrock, 1876Str. 2
Hel erhält Gewalt über neun WeltenGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 34
Niflhel, unten in der neunten WeltGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 3
Asgard, Burg mitten in der WeltGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 9
Midgard aus Ymirs AugenbrauenGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 8; Str. 4
Jötunheim als HandlungsortGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 1/10/34
Niflheim, Brunnen HwergelmirGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 4
Muspel(heim), SurturGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 4
Gegensatz Niflheim/Muspelheim, GinnungagapGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 5
Álfheim, Lichtalfen/SchwarzalfenGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 17
Schwarzalfenheim, ZwergeGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 34
Wanaheim, NjördGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 23
Yggdrasils drei Wurzeln, kein wörtliches „neun Welten“GylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 15–16
Bifröst als AsenbrückeGylfaginnîngSimrock, 1876Kap. 15
Orthographie-Divergenz Simrock-Registerindex vs. Projekt-RegisterWikisource-RegisterSimrock, 1876Register

Was das heute bedeutet

Diese Seite trennt bewusst, was die Quelle über die neun Welten sagt, von dem, was das heute bedeutet. Für die Gesamtkosmologie liegt aus der geprüften Quellenlage derzeit kein belegter Rezeptionsfakt vor.

Nicht zu verwechseln mit: Neun Welten, Einzelwelt und Yggdrasil

Zwei Verwechslungen lassen sich an dieser Stelle klären. Die Gesamtkosmologie der Neun Welten ist nicht dasselbe wie eine einzelne Welt: Jötunheim und Helheim etwa besitzen je eine eigene, ausführliche Seite, die Herkunft, Rolle und Verwandtschaft der jeweiligen Welt vertieft, ohne dass diese Seite hier dieselbe Tiefe wiederholt. Ebenso wenig ist Yggdrasil selbst eine der neun Welten: Der Weltenbaum trägt und verbindet die Welten, zählt aber nicht zu ihnen; die eigene Seite zu Yggdrasil beschreibt seine Struktur, seine Wurzeln und seine Bewohner im Detail.

Leserfragen zu den neun Welten

Wie viele Welten gibt es in der nordischen Mythologie?

Neun. Der Ausdruck „neun Welten" steht wörtlich in der Völuspâ, Strophe 2, in der Übersetzung Karl Simrocks.

Yggdrasil ist der Weltenbaum, der die Welten trägt; laut Gylfaginnîng reichen drei seiner Wurzeln zu den Asen, zu den Hrimthursen und über Niflheim. Er selbst zählt nicht zu den neun Welten.

Ja. Asgard ist die Burg mitten in der Welt, Sitz der Asen, laut Gylfaginnîng, Kap. 9.

Nein. Yggdrasil trägt und verbindet die neun Welten, zählt aber selbst nicht zu ihnen.

Hel herrscht über die Totenwelt Helheim; Niflhel wird in der Gylfaginnîng, Kap. 3, unten in der neunten Welt verortet.

Álfheim ist der Wohnsitz der Lichtalben, Svartálfaheim der Wohnsitz der Schwarzalben, laut Gylfaginnîng, Kap. 17 und 34.

Quellen und Ausgaben

Zitiert werden ausschließlich Wikisource-Digitalisate der Simrock-Ausgabe von 1876; moderne kritische Editionen, die unter §70 UrhG Leistungsschutz genießen könnten, werden nicht verwendet.

  • Karl Simrock: *Die Edda, die ältere und jüngere nebst den mythischen Erzählungen der Skalda*, Stuttgart, J. G. Cotta’sche Buchhandlung, 6. Auflage, 1876. Verwendete Leitausgabe dieser Seite für Völuspâ und Gylfaginnîng; gemeinfrei seit 1946 nach §64 UrhG.
  • Snorri Sturluson: Verfasser der Gylfaginnîng, zitiert nach der Übersetzung Karl Simrocks.

Diese Seite trägt ein ehrliches Bearbeitungsdatum statt eines automatischen Zeitstempels: zuletzt bearbeitet am 21. September 2026. Redaktion: Katharina Fischer