Runen Bedeutung: Alle 24 Zeichen des Älteren Futhark im Überblick

Der Kylver-Stein aus Gotland mit der eingeritzten Runenreihe des Älteren Futhark, fotografiert 1934: Die 24 Zeichen stehen in einer Linie auf verwitterter Steinoberfläche, gut lesbar.
Unbekannter Fotograf, 1934, „gemeinfrei". Aufnahme des Kylver-Steins von Gotland (Schweden) mit der vollständigen, kanonisch geordneten 24-Zeichen-Reihe des Älteren Futhark; veröffentlicht in Sigurd Agrells „Lapptrummor och runmagi" (1934). Platzierung nach der 24-Zeichen-Liste; die Zeichen selbst zeigt diese Seite als eigene grafische Darstellung, nicht als Teil dieses Bildes.

Das Ältere Futhark ist die älteste bezeugte Runenreihe der nordischen und germanischen Überlieferung: 24 Zeichen, genutzt vom 2. bis zum 8. Jahrhundert, abgeleitet von einem alt-italischen Alphabet. Diese Seite versammelt alle 24 Zeichen mit Lautwert, Bedeutung und Fundstelle, dazu die Umgekehrte Tabelle für die Suche von der Bedeutung zum Zeichen sowie den historischen und rechtlichen Rahmen ihrer Vereinnahmung. Eingeordnet ist das Ältere Futhark in die Übersicht der nordischen Mythologie, die Figuren, Orte und Zeichen dieses Themenkreises zusammenführt.

Was ist das Ältere Futhark? Definition und Abgrenzung zum Jüngeren Futhark

Das Ältere Futhark bezeichnet die Runenreihe mit exakt 24 Zeichen, die von etwa dem 2. bis zum 8. Jahrhundert in Gebrauch war und als älteste vollständig bezeugte Stufe der Runenschrift gilt. Es ist damit nicht dasselbe wie das Jüngere Futhark, das erst ab etwa 800 bis 1100, in der eigentlichen Wikingerzeit, verwendet wurde und nur noch 16 Zeichen zählt, und auch nicht dasselbe wie das angelsächsische Futhorc mit seinen zusätzlichen Zeichen. Das gängige Suchwort „wikinger runen“ zielt umgangssprachlich häufig auf das Jüngere Futhark oder auf Runen im Allgemeinen; diese Seite behandelt ausdrücklich das ältere, 24-zeichige System.

Neben der Runenreihe selbst berührt diese Seite mehrere verwandte Begriffe: die Runenschrift als Oberbegriff für alle Runensysteme, das Futhark als Sammelbezeichnung für eine vollständige Zeichenreihe, sowie die Götter Odin und Týr und den Weltenbaum Yggdrasil, deren Namen mit einzelnen Runen verknüpft sind. Vier weitere Zeichen, die im Suchverhalten häufig mit „Runen“ vermengt werden (Valknut, Vegvísir, Mjölnir und Ægishjálmur), gehören dagegen nicht zu den 24 Zeichen des Älteren Futhark; der folgende Abschnitt grenzt sie ausdrücklich ab.

Alle weiterführenden Verweise dieser Seite, zum Kokon-Hub, zu Odin, Týr und Yggdrasil, zur Quellen-Methodik sowie zu den 24 Runen-Ankern und der Umgekehrten Tabelle, stehen in geschlossener Marker-Form direkt im Text.

Die 24 Zeichen des Älteren Futhark im Überblick

Die folgende Runenreihe zählt 24 Zeichen vollständig auf, in der überlieferten Lautwert-Reihenfolge, mit Name, Lautwert, Bedeutung und Fundstelle je Zeichen. Nicht zu verwechseln mit dieser Runenreihe sind vier weitere, im Suchverhalten oft zugeordnete Zeichen: der Valknut, der Vegvísir, der Mjölnir und der Ægishjálmur. Sie sind eigenständige nordische beziehungsweise altisländische Symbole und Gegenstände, keine Teile des Älteren Futhark. Auf Q-Kennungen für die einzelnen Runen verzichtet diese Seite bewusst: Der einzige gesicherte Wikidata-Bezug liegt auf der Ebene des Älteren Futhark als Ganzem, nicht auf der Ebene der Einzelrune. Die heute üblichen Runennamen sind selbst eine wissenschaftliche Rekonstruktion, keine geschlossene Liste aus einer einzigen mittelalterlichen Handschrift; bezeugt sind stattdessen drei getrennte Traditionsstränge, ein gotischer, ein angelsächsischer und ein altnordischer (vgl. Wilhelm Grimm, Wiener Jahrbücher Bd. 43, 1828, sowie das angelsächsische Runengedicht).

Namen, Lautwerte und Bedeutungen der folgenden Tabelle stammen überwiegend aus dem angelsächsischen Runengedicht, einem anonymen Werk aus dem 8. bis 10. Jahrhundert: Die einzige Handschrift, Cotton Otho B.x, verbrannte 1731 in einem Bibliotheksbrand, der Text blieb aber durch eine schon 1705 veröffentlichte Abschrift erhalten. Die Lautwert-Reihenfolge selbst folgt Meyers Konversations-Lexikon von 1889; bei den vier mit „Lesartendifferenz“ markierten Zeichen dient zusätzlich das norwegische und das isländische Runengedicht zum Vergleich. Jedes der 24 Zeichen trägt seine eigene Fundstelle, auch dort, wo die Bedeutung zwischen den Traditionen nicht übereinstimmt oder, wie bei Perthro, in der Forschung offenbleibt.

ZeichenLautwertBedeutungFundstelle
FehufIm angelsächsischen Runengedicht trägt dieses Zeichen den Namen „Feoh“ und bezeichnet Vieh, Besitz und Reichtum: Die Strophe hält fest, dass Besitz ein Trost für jedermann sei. Bosworth-Tollers Wörterbuch bestätigt für „feoh“ unabhängig die Bedeutungen Geld, Wohlstand und Vieh als frühes Tauschmittel.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 1; Bosworth-Toller, Eintrag „feoh“
UruzuIm angelsächsischen Runengedicht heißt dieses Zeichen „Ur“ und meint den Auerochsen, ein wildes gehörntes Tier. Die norwegische Überlieferung weicht davon ab: Dort bezeichnet „úr“ Schlacke, den Ausschuss von schlechtem Eisen. Diese Seite benennt die Lesartendifferenz zwischen Tier und Werkstoff ausdrücklich, statt sie zu glätten. Trotz der Lesartendifferenz bleibt auch dieses Zeichen im Jüngeren Futhark erhalten.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 2; norwegisches Runengedicht zum Vergleich
ThurisazthAngelsächsisch trägt dieses Zeichen den Namen „Ðorn“ und bezeichnet einen Dorn, eine scharfe Pflanze. Die nordische Überlieferung weicht ab: „Þurs“ bezeichnet dort einen Riesen oder Unhold. Diese Lesartendifferenz zwischen Pflanze und mythischem Wesen steht offen in der Tabelle. Trotz der Lesartendifferenz bleibt dieses Zeichen im Jüngeren Futhark erhalten.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 3; norwegisches und isländisches Runengedicht
AnsuzaAngelsächsisch heißt dieses Zeichen „Os“ und meint den Mund als Ursprung der Sprache. Norwegisch lautet der Name „óss“ und bezeichnet eine Flussmündung. Isländisch bezeichnet dasselbe Wort „óss“ dagegen einen Gott, benannt als „algingautr“, ein Bezug auf Odin. Drei Traditionen, drei verschiedene Lesarten für dasselbe Zeichen. Auch dieses Zeichen bleibt, trotz der dreifachen Lesartendifferenz, im Jüngeren Futhark erhalten.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 4; norwegisches und isländisches Runengedicht
RaidorAngelsächsisch „Rad“, nordisch „Ræið“ beziehungsweise „Reið“: Beide Traditionen bezeichnen übereinstimmend das Reiten oder eine Fahrt. Dieses Zeichen gehört zu den Lauten, die im Jüngeren Futhark erhalten blieben.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 5; norwegisches Runengedicht
Kaunan/KenazkAngelsächsisch heißt dieses Zeichen „Cen“ und bezeichnet einen Kienspan, eine Fackel, also Licht und Feuer. Die nordische Überlieferung weicht ab: „Kaun“ bezeichnet dort ein Geschwür, eine Wunde. Trotz der Lesartendifferenz gehört auch dieses Zeichen zu den im Jüngeren Futhark erhaltenen Lauten.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 6; nordisches Runengedicht
GebogAngelsächsisch „Gyfu“ bezeichnet eine Gabe, Freigebigkeit. Im Jüngeren Futhark, der Zeichenreihe der eigentlichen Wikingerzeit, entfällt dieses Zeichen ersatzlos; ein Gegenstück fehlt dort.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 7
WunjowAngelsächsisch „Wynn“ bezeichnet Freude, Wonne. Auch dieses Zeichen hat, wie Gebo, kein Gegenstück im Jüngeren Futhark.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 8
HagalazhAngelsächsisch „Hægl“, nordisch „Hagall“: Beide Traditionen bezeichnen übereinstimmend das Wetterphänomen Hagel. Dieses Zeichen gehört zu den Lauten, die im Jüngeren Futhark erhalten blieben.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 9; nordisches Runengedicht
NaudiznAngelsächsisch „Nyd“, nordisch „Nauð“: Beide Traditionen bezeichnen übereinstimmend Not und Zwang. Dieses Zeichen gehört zu den Lauten, die im Jüngeren Futhark erhalten blieben.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 10; nordisches Runengedicht
IsaiAngelsächsisch „Is“, nordisch „Íss“: Beide Traditionen bezeichnen übereinstimmend Eis. Dieses Zeichen gehört zu den Lauten, die im Jüngeren Futhark erhalten blieben.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 11; nordisches Runengedicht
JerajAngelsächsisch „Ger“ bezeichnet Jahr und Ernte, nordisch „Ár“ Wohlstand und ein gutes Jahr. Im Kern stimmen beide Traditionen überein, und das Zeichen bleibt im Jüngeren Futhark erhalten.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 12; nordisches Runengedicht
Eihwazeu/ïAngelsächsisch „Eoh“ bezeichnet die Eibe, den Eibenbaum. Ein direktes Gegenstück fehlt im Jüngeren Futhark; dort tritt am Ende der Reihe stattdessen „Yr“ auf, ein Bogen aus Eibenholz. Meyers Konversations-Lexikon kennzeichnet den Lautwert dieses Zeichens bereits 1889 selbst als unsicher.Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 14, Leipzig 1889, S. 36; angelsächsisches Runengedicht, Strophe 13
PerthropDie Bedeutung dieses Zeichens gilt in der Forschung als nicht abschließend geklärt. Das angelsächsische Gedicht beschreibt nur eine Tätigkeit, keinen Gegenstand: „Peorð byþ symble plega and hlehter“, stets Spiel und Gelächter im Festsaal. Diese Seite benennt die Unsicherheit ausdrücklich, statt eine Eindeutigkeit zu behaupten, die die Quelle selbst nicht hergibt.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 14, ausdrücklich als unsicherste Stelle gekennzeichnet
AlgizzAngelsächsisch heißt dieses Zeichen „Eolh-secg“, wörtlich Elch-Riedgras, eine schneidende Sumpfpflanze: „wundaþ grimme, blode breneð beorna gehwylcne“, sie verwundet grimmig und färbt jeden, der sie berührt, mit Blut. Die im Suchverhalten verbreitete Kurzdeutung „Elch“ verkürzt damit einen ursprünglich pflanzenbezogenen Namen. Diese Rune zählt zu den historisch vereinnahmten Zeichen; → Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 15
SowilosAngelsächsisch „Sigel“, nordisch „Sól“: Beide Traditionen bezeichnen übereinstimmend die Sonne. Paarweise angeordnet wurde dieses Zeichen historisch politisch vereinnahmt; → Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 16; nordisches Runengedicht
TiwaztAngelsächsisch trägt dieses Zeichen die Namen „Tir“ und „Tiw“ und bezeichnet einen Leitstern, der Treue gegenüber Fürsten hält: „healdeð trywa wel wiþ æþelingas“. Nordisch heißt dasselbe Zeichen „Týr“, nach dem einhändigen Gott. Beide Traditionen verweisen damit auf denselben Kriegsgott Týr, dessen Namensverwandtschaft mit dieser Rune belegt ist. Auch Tiwaz zählt zu den historisch vereinnahmten Zeichen; → Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 17; nordisches Runengedicht
BerkanabDas angelsächsische Gedicht nennt für dieses Zeichen keinen Baumnamen, sondern beschreibt nur Fruchtlosigkeit und Sprossung aus Blättern. Nordisch heißt das Zeichen „Bjarkan“ und bezeichnet die Birke; die Baumart selbst bleibt im Angelsächsischen unbenannt. Dieses Zeichen gehört ebenfalls zu den im Jüngeren Futhark erhaltenen Lauten.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 18; nordisches Runengedicht
EhwazeAngelsächsisch „Eh“ bezeichnet das Pferd. Ein Gegenstück im Jüngeren Futhark fehlt, wie bei Gebo und Wunjo.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 19
MannazmAngelsächsisch „Man“, nordisch „Maðr“: Beide Traditionen bezeichnen übereinstimmend den Menschen. Dieses Zeichen gehört zu den Lauten, die im Jüngeren Futhark erhalten blieben.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 20; nordisches Runengedicht
LaguzlAngelsächsisch „Lagu“, nordisch „Lögr“: Beide Traditionen bezeichnen übereinstimmend Wasser, Meer und See. Dieses Zeichen gehört zu den Lauten, die im Jüngeren Futhark erhalten blieben.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 21; nordisches Runengedicht
IngwazngAngelsächsisch bezeichnet „Ing“ den Gott oder Heros dieses Namens: „Ing wæs ærest mid East-Denum gesewen“, Ing wurde zuerst bei den Ost-Dänen gesehen. Ein Gegenstück im Jüngeren Futhark fehlt.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 22
OthalaoAngelsächsisch „Eþel“ beziehungsweise „Éðel“ bezeichnet Erbgut und Heimstatt. Ein Gegenstück im Jüngeren Futhark fehlt. Auch Othala zählt zu den historisch vereinnahmten Zeichen; → Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 23
DagazdAngelsächsisch „Dæg“ bezeichnet den Tag. Ein Gegenstück im Jüngeren Futhark fehlt; mit diesem Zeichen endet die Runenreihe des Älteren Futhark.Angelsächsisches Runengedicht, Strophe 24

Sieben der 24 Zeichen, Gebo, Wunjo, Eihwaz, Ehwaz, Ingwaz, Othala und Dagaz, haben im Jüngeren Futhark kein direktes Gegenstück mehr; diese Seite hält das für jedes einzeln fest, statt es stillschweigend zu übergehen. Vier Zeichen, Uruz, Thurisaz, Ansuz und Kaunan/Kenaz, tragen eine dokumentierte Lesartendifferenz zwischen den Überlieferungssträngen: Die Bedeutung wandert zwischen Tier und Werkstoff, zwischen Pflanze und mythischem Wesen, zwischen Sprache, Landschaft und Gottheit, zwischen Licht und Krankheit. Diese Seite zeigt solche Abweichungen offen in der Tabelle, statt sie zu einer einzigen, vermeintlich sicheren Bedeutung zu glätten. Vier weitere Zeichen, Algiz, Sowilo, Tiwaz und Othala, tragen eine Geschichte der Vereinnahmung; ihre Einträge verweisen auf den Abschnitt „Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen“ weiter unten, statt den vollen Rechtstext 24-mal zu wiederholen. Bei Perthro bleibt die Bedeutung selbst offen: Diese Seite benennt das, statt eine Eindeutigkeit zu erfinden, wo die Quelle keine hergibt. Wo eine Bedeutung nur aus einer einzigen Tradition bezeugt ist, etwa bei Gebo oder Wunjo, sagt diese Seite das ebenso offen, wie sie eine mehrfach bezeugte Bedeutung offen zeigt.

Der Kylver-Stein aus Gotland mit der eingeritzten Runenreihe des Älteren Futhark, fotografiert 1934: Die 24 Zeichen stehen in einer Linie auf verwitterter Steinoberfläche, gut lesbar.
Unbekannter Fotograf, 1934, „gemeinfrei“. Aufnahme des Kylver-Steins von Gotland (Schweden) mit der vollständigen, kanonisch geordneten 24-Zeichen-Reihe des Älteren Futhark; veröffentlicht in Sigurd Agrells „Lapptrummor och runmagi“ (1934). Platzierung nach der 24-Zeichen-Liste; die Zeichen selbst zeigt diese Seite als eigene grafische Darstellung, nicht als Teil dieses Bildes.

Umgekehrte Tabelle: Von der Bedeutung zum Zeichen

Diese Tabelle kehrt die Suchrichtung um: Wer eine Bedeutung oder ein Konzept sucht, findet hier das zugehörige Zeichen der 24-Zeichen-Reihe, mit einem Verweis auf dessen Eintrag oben. Die vollständigen Fundstellen zu jedem Zeichen stehen in der Zeichenliste und im Abschnitt „Wo das steht“, nicht hier.

Bedeutung/KonzeptZeichen
Besitz, Reichtum, ViehFehu
Auerochse (angelsächsisch) beziehungsweise Schlacke (norwegisch)Uruz
Dorn (angelsächsisch) beziehungsweise Riese (nordisch)Thurisaz
Mund/Sprache, Flussmündung oder Gott, je nach TraditionAnsuz
Reiten, FahrtRaido
Fackel/Licht (angelsächsisch) beziehungsweise Geschwür (nordisch)Kaunan/Kenaz
Gabe, FreigebigkeitGebo
Freude, WonneWunjo
HagelHagalaz
Not, ZwangNaudiz
EisIsa
Jahr, ErnteJera
Eibe, EibenbaumEihwaz
Bedeutung nicht abschließend geklärt (Spiel, Gelächter)Perthro
Elch-Riedgras, populär oft als Schutz gedeutetAlgiz
SonneSowilo
Leitstern, Treue, der Gott TýrTiwaz
BirkeBerkana
PferdEhwaz
MenschMannaz
Wasser, Meer, SeeLaguz
Der Gott oder Heros IngIngwaz
Erbgut, HeimstattOthala
TagDagaz

Zeichen mit dokumentierter historischer Vereinnahmung, Algiz, Tiwaz, Othala und Sowilo, tragen an ihrem Eintrag in der Zeichenliste zusätzlich einen Sprung-Verweis auf den Abschnitt „Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen“.

Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen

Der überlieferte Ursprungsmythos der Runen steht im Hávamál: Der Überlieferung nach hängt Odin neun Nächte am Weltenbaum Yggdrasil, sich selbst geweiht, bis ihm die Runen zufallen. Diese Seite gibt diesen Mythos sachlich wieder, als überlieferten Ursprung, nicht als Erzählung; die ausführliche Überlieferung und der Weltenbaum selbst haben ihre eigenen Seiten in diesem Nachschlagewerk.

Ein zweiter, jüngerer Strang der Geschichte betrifft nicht den Ursprung, sondern den Missbrauch: Einzelne Runen wurden historisch von verfassungswidrigen Organisationen vereinnahmt. Diese Seite ordnet diese Vereinnahmung historisch und sprachlich ein, an jeder Stelle, an der ein Zeichen gezeigt wird, statt sie zu verschweigen oder auszumalen. Die vollständige rechtliche Einordnung dazu steht deshalb einmal, vollständig, in diesem Abschnitt; jeder betroffene Eintrag der 24-Zeichen-Liste weiter oben trägt dafür nur einen kurzen Sprung-Verweis hierher, keine Wiederholung des vollen Textes.

„Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum
Neun lange Nächte,
Vom Sper verwundet, dem Odhin geweiht,
Mir selber ich selbst,
Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann
Aus welcher Wurzel er sproß.“

Karl Simrock (Übersetzer), Die Edda, 6. Auflage, Cotta, Stuttgart 1876, Hávamál, „Odhins Runenlied“, Strophe 139 (S. 55).

Der folgende Wortlaut ist die verbindliche rechtliche Einordnung dieser Seite:

„Einzelne Runen wurden historisch von verfassungswidrigen Organisationen missbraucht und angeeignet. Diese Seite erklärt Bedeutung und Herkunft der Runenreihen ausschließlich im historischen und sprachlichen Kontext; die Verwendung bestimmter Zeichen als Kennzeichen ist nach §86a StGB strafbar. Diese Einordnung steht an jeder Stelle, an der ein Symbol gezeigt wird — nicht als nachgelagerter Disclaimer.“

Grundlage ist § 86a StGB in der zum Recherchezeitpunkt, dem 22. September 2026, geltenden Fassung, bestätigt über gesetze-im-internet.de als Textnachweis, nicht als Hyperlink.

Außerhalb Deutschlands gilt anderes Recht. Für Österreich einschlägig ist das Abzeichengesetz 1960: § 1 verbietet allgemein Abzeichen, Embleme, Symbole und Kennzeichen einer in Österreich verbotenen Organisation, als Generalklausel, ohne einzelne Zeichen namentlich aufzuzählen. Hakenkreuz und doppelte Sig-Rune fallen darunter über die Bezugnahme auf das Verbotsgesetz 1947 sowie über ständige Verwaltungspraxis und Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs, nicht über eine wörtliche Nennung im Gesetzestext selbst. § 3 des Abzeichengesetzes sieht dafür eine Geldstrafe bis 10.000 Euro oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Monat bei einer ersten Tat vor, bei Wiederholung bis 20.000 Euro oder sechs Wochen. Für die Schweiz gilt zum Recherchezeitpunkt, dem 22. September 2026, Artikel 261bis des Strafgesetzbuchs, seit 1994 in Kraft; ein eigenständiges Verbotsgesetz für Symbole ist noch nicht in Kraft, der Bundesrat hat dazu am 19. Juni 2026 eine Botschaft vorgelegt, die parlamentarische Beratung ist offen.

Manche der 24 Zeichen tragen zusätzlich populäre, politisch aufgeladene Nebenbezeichnungen, die ausschließlich hier und mit direkter Zuschreibung benannt werden: Algiz wird im Nachhinein als „Lebensrune“ bezeichnet, Sowilo, paarweise angeordnet, als „Sig-Rune“ oder „Schwarze Sonne“ für das daraus zusammengesetzte Sonnenrad. Diese Bezeichnungen stammen aus dem Sprachgebrauch der Vereinnahmung selbst, nicht aus der Runenforschung, und erscheinen deshalb an keiner anderen Stelle dieser Seite und in keiner Überschrift. Diese Seite erklärt und ordnet ein; sie ist keine Rechtsberatung und beantwortet keine Einzelfallfrage, etwa ob ein bestimmtes Tattoo oder ein bestimmter Gegenstand zulässig ist. Die doppelte Sig-Rune selbst zeigt diese Seite an keiner Stelle, weder als Text noch als Abbildung.

Wo das steht

Namen, Lautwerte und Bedeutungen der 24 Zeichen stützen sich in erster Linie auf das angelsächsische Runengedicht, ein anonymes Werk aus dem 8. bis 10. Jahrhundert, erhalten durch eine Abschrift, die George Hickes 1705 veröffentlichte, nachdem das Originalmanuskript, Cotton Otho B.x, 1731 bei einem Bibliotheksbrand zerstört worden war. Die Lautwert-Reihenfolge selbst stützt sich auf Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 14, Leipzig 1889, Artikel „Runen“. Für die dokumentierten Lesartendifferenzen dienen das norwegische Runengedicht aus dem 13. Jahrhundert und das isländische Runengedicht aus dem 15. Jahrhundert als Vergleich, ebenso Bosworth-Tollers „An Anglo-Saxon Dictionary“, Oxford 1898 mit Supplement 1908 bis 1921, zur Bestätigung einzelner Wortbedeutungen. Der Ursprungsmythos der Runen steht, wie oben gezeigt, im Hávamál, in Karl Simrocks Übersetzung von 1876. Welche Ausgaben und Übersetzer dieser Kokon insgesamt verwendet, führt die Seite Edda-Quellen im Einzelnen.

Nicht jede ältere, leicht auffindbare Ausgabe ist hier zitierfähig. Wimmer und Holthausens „Die Runenschrift“ von 1887 bleibt bis Ende 2026 durch § 64 UrhG gesperrt, weil der Bearbeiter erst 1956 starb. Edmund Webers „Kleine Runenkunde“ von 1941 scheidet unabhängig vom Urheberrecht aus: Der Nordland-Verlag stand ab 1934 im Eigentum der SS und wurde ab 1936 vollständig vom SS-„Ahnenerbe“ kontrolliert. Bruce Dickins‘ englische Übersetzung der Runengedichte, obwohl auf englischsprachigen Plattformen als gemeinfrei gekennzeichnet, bleibt nach deutschem Recht bis 2049 gesperrt; zitiert werden deshalb ausschließlich die altsprachlichen Originaltexte selbst, nicht Dickins‘ Übersetzung.

Häufige Fragen zu Runen und ihrer Bedeutung

Sind Runen in Deutschland verboten?

Nein, einzelne Runen sind nicht per se verboten. Strafbar ist nach §86a StGB die Verwendung bestimmter Zeichen als Kennzeichen verfassungswidriger oder terroristischer Organisationen. Die vollständige Einordnung mit Fundstelle steht im Abschnitt „Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen".

Ein aus zwei Sowilo-Runen zusammengesetztes Symbol wurde historisch von nationalsozialistischen Organisationen vereinnahmt; die vollständige Einordnung dazu steht im Abschnitt „Herkunft, Vereinnahmung und rechtlicher Rahmen". Diese Seite zeigt das Zeichen an keiner Stelle, weder als Text noch als Abbildung; das gilt ausnahmslos.

Diese Seite gibt dazu keine individuelle Rechtsberatung und keine Handlungsempfehlung für einen Einzelfall. Die allgemeine Einordnung bleibt bestehen: Strafbar ist die Verwendung als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation, nicht ein Zeichen als solches.

Das Ältere Futhark zählt 24 Zeichen und war vom 2. bis zum 8. Jahrhundert in Gebrauch. Das Jüngere Futhark, die eigentliche Wikingerzeit ab etwa 800 bis 1100, zählt nur noch 16 Zeichen. Diese Seite behandelt ausschließlich das Ältere Futhark.

„Schutzrune" ist keine wissenschaftliche Kategorie der Runenforschung. Manche Zeichen, etwa Algiz, werden populär als Schutzsymbol gedeutet; diese Seite ordnet solche Zuschreibungen historisch-sprachlich ein, nicht esoterisch, und trifft dazu keine eigene Deutung.

In erster Linie aus dem angelsächsischen Runengedicht, ergänzt um Meyers Konversations-Lexikon von 1889 für die Lautwert-Reihenfolge und um Bosworth-Tollers Wörterbuch zur Bestätigung einzelner Wortbedeutungen. Jedes der 24 Zeichen trägt in der Zeichenliste oben seine eigene Fundstelle.

Quellen

Diese Tabelle nennt jede Fundstelle als Textnachweis, ohne Hyperlink.

Aussage/WerkAusgabe, Autor/Übersetzer, JahrKapitel/Strophe, Seite
Ältere Futhark als Runensystem, 24 Zeichen, 2.-8. Jh.Wikidata, Eintrag Älteres FutharkDatensatz, ohne Q-Kennung in dieser Kopie
§86a StGB, Kennzeichen verfassungswidriger OrganisationenGesetze-im-Internet.de§ 86a StGB, Normstand 22.09.2026
Abzeichengesetz 1960, §§ 1 und 3Jusline.at§§ 1, 3 AbzG, Normstand 22.09.2026
Art. 261bis StGB (Schweiz), VNSG-Entwurf nicht in Kraftde.wikipedia.org, Artikel Art. 261bis StGBStand 22.09.2026
§64 UrhG (70 Jahre p.m.a.), §70 UrhG (25 Jahre)Gesetze-im-Internet.de§§ 64, 70 UrhG
Hávamál, Ursprungsmythos der RunenKarl Simrock (Übersetzer), Die Edda, 6. Auflage, Cotta, Stuttgart 1876Hávamál, „Odhins Runenlied“, Strophe 139, S. 55
Lautwert-Reihenfolge der 24 ZeichenMeyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1889Band 14, Artikel „Runen“, S. 36
Namen und Bedeutungen der 24 ZeichenAngelsächsisches Runengedicht, anonym, 8.-10. Jahrhundert, überliefert durch eine 1705 veröffentlichte AbschriftStrophen 1-24
Bestätigung einzelner WortbedeutungenJoseph Bosworth / T. Northcote Toller, An Anglo-Saxon Dictionary, Oxford 1898, Supplement 1908-1921Eintrag „feoh“ u. a.
Lesartendifferenzen Uruz, Thurisaz, Ansuz, Kaunan/KenazNorwegisches (13. Jh.) und isländisches (15. Jh.) Runengedicht, anonymVergleichsstellen zu den angelsächsischen Strophen
Abecedarium Nordmannicum, Jüngeres Futhark, zur AbgrenzungWilhelm Grimm, Zur Literatur der Runen, Wiener Jahrbücher der LiteraturBand 43, Wien 1828

Nicht gelistet, weil nicht zitierfähig: Wimmer/Holthausen, Die Runenschrift, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1887 (§64-UrhG-Sperre bis 31.12.2026); Weber, Kleine Runenkunde, Nordland-Verlag, Berlin 1941 (Brand-Safety, unabhängig vom Urheberrecht); Bruce Dickins‘ englische Übersetzung der Runengedichte, 1915 (§64-UrhG-Sperre bis 01.01.2049).