Walhall — die Halle der gefallenen Krieger in der nordischen Mythologie

Farbillustration der Halle Walhall: Einherjer an der Tafel, eine Walküre schenkt ein, rechts Odin mit Flügelhelm neben seinem Wolf.
Emil Doepler, 1905, „gemeinfrei". Farbtafel aus „Walhall, die Götterwelt der Germanen" (Martin Oldenbourg, Berlin, um 1905): Einherjer werden von einer Walküre bewirtet, während Odin, mit geflügeltem Helm und begleitet von einem seiner Wölfe, auf seinem Thron sitzt.

Der Mythos in Kürze: Walhall ist in der nordischen Mythologie die Halle der im Kampf gefallenen Krieger: Die Grímnismál nennt sie Gladsheim, wo Odin täglich die vom Schwert erschlagenen Männer versammelt. Die deutsche Umschreibung „Halle der Gefallenen“ steht als sprechende Übersetzung neben dem altnordischen Namen, der eine einzelne Halle bezeichnet, nicht das gesamte Götterreich Asgard.

Steckbrief Walhall: Definition, Rolle, Verwandtschaft und Quellen

MerkmalAngabe
DefinitionHalle der im Kampf gefallenen Krieger, laut Grímnismál Gladsheim genannt, eine einzelne Halle innerhalb Asgards
Bewohnerdie Einherjar, die im Kampf gefallenen Krieger
Herr des OrtesOdin, auch Walvater genannt
Zentrale ElementeSchilddach, das Tor Valgrind, der nächtlich gesottene Eber Sæhrímnir
Rechnerischer Gesamtwert540 Türen mit je 800 Kriegern ergeben rechnerisch rund 432.000 Einherier: eine aus der Strophe abgeleitete Rechnung, keine wörtliche Edda-Aussage
QuellenGrímnismál und Gylfaginning, deutsch von Karl Simrock, 6. Auflage 1876

Der Mythos in der Erzählung

In der Erzählung ist Walhall die Halle, in die Odin die im Kampf gefallenen Krieger holt. Golden schimmert ihr Dach, das aus Schäften gefügt und mit Schilden gedeckt ist; wer sich Odins Saal nähert, erkennt ihn schon von weitem an diesem Schilddach, unter dem die Bänke mit Brünnen bestreut liegen. Jeden Morgen, sobald die Einherjar sich gewappnet haben, ziehen sie hinaus auf den Hof und kämpfen gegeneinander, bis der eine den anderen fällt — ihr täglicher Zeitvertreib. Zur Mittagsstunde reiten sie zurück nach Walhall und setzen sich gemeinsam an den Trinktisch. Über der Halle steht die Ziege Heidrun, aus deren Euter so viel Met fließt, dass alle Einherjar sich daran satttrinken können; daneben liefert der Hirsch Eikthyrnir den Einherjern zusätzlich Wasser. So verbindet die Erzählung den täglichen Kampf mit einem ebenso täglichen Fest in derselben Halle.

Eine zweite Fundstelle für das Schilddach: Snorri Sturluson zitiert dafür den Skalden Thiodolf von Hwin.

„Das Dach deckten denkende Künstler, Steinschilde schimmerten über dem Saale Odhins.“ (Gylfaginning, Kap. 2.)

Farbillustration der Halle Walhall: Einherjer an der Tafel, eine Walküre schenkt ein, rechts Odin mit Flügelhelm neben seinem Wolf.
Emil Doepler, 1905, „gemeinfrei“. Farbtafel aus „Walhall, die Götterwelt der Germanen“ (Martin Oldenbourg, Berlin, um 1905): Einherjer werden von einer Walküre bewirtet, während Odin, mit geflügeltem Helm und begleitet von einem seiner Wölfe, auf seinem Thron sitzt.

Woher der Name Walhall kommt

Der Name Walhall geht auf das altnordische Valhǫll zurück, zusammengesetzt aus valr (die im Kampf Gefallenen) und hǫll (Halle): wörtlich also Halle der gefallenen Krieger. Innerhalb derselben Simrock-Übersetzung schreibt sich manches anders, als es die heutige Fachliteratur tut: Simrock germanisiert zu Walgrind, Sährimnir und Einherier, wo diese Seite außerhalb wörtlicher Zitate die modernen Formen Valgrind, Sæhrímnir und Einherjar verwendet.

Attribute und zentrale Elemente

Drei Elemente prägen die Beschreibung Walhalls in der Grímnismál besonders deutlich.

  • Schilddach: Das Dach der Halle ist aus Schäften gefügt und mit Schilden gedeckt, die Bänke sind mit Brünnen bestreut; wer Odins Saal sieht, erkennt ihn schon an diesem Dach.
  • Valgrind: das heilige Tor Walhalls, in Simrocks Schreibung „Walgrind“ genannt. Es steht auf eigenem Grund, und nur wenige wissen, wie sich sein Schloss schließt. Vor dem westlichen Tor der Halle hängt zudem ein Wolf, über dem ein Adler droht.
  • Sæhrímnir: der Eber, den der Koch Andhrimnir jede Nacht im Kessel Eldhrimnir siedet. Die Gylfaginning ergänzt, dass er abends stets wieder heil ist, gleich wie groß die Zahl der Einherjar auch ist, die von ihm essen.

Verwandtschaft und Beteiligte

Odin, die Walküren, Ragnarök und Freyja stehen jeweils in einem eigenen Bezug zu Walhall.

Odin gilt als Allvater und, weil alle seine Wunschsöhne die auf dem Walplatz Gefallenen sind, auch als Walvater; er ist Herr der Halle. Mehr zu ihm auf der Seite Odin, der Allvater. In Walhall bedienen ihn die Walküren beim Trinken; die Grímnismál nennt sie namentlich, ausgezählt sind es dreizehn Namen: Hrist, Mist, Skeggöld, Skögul, Hlöck, Herfiötr, Hildur, Thrudr, Göll, Geirölul, Randgrid, Rathgrid und Reginleif. Mehr zu ihrer Aufgabe auf der Seite Walküren im Gefolge Odins. Ihr Gegenstück ist Fólkvangr, Freyjas Halle: Nach der Grímnismál wählt Freyja täglich die Hälfte der im Kampf Gefallenen für sich, die andere Hälfte erhält Odin für Walhall. Mehr zu ihr auf der Seite Freyja und Fólkvangr. Zu Ragnarök besteht innerhalb der hier gesicherten Fundstellen nur ein einziger direkter Bezug: Aus Walhall ziehen die Einherjar aus, „wenn es dem Wolf zu wehren gilt“ (Grímnismál, Str. 23). Mehr zum gesamten Untergangsgeschehen auf der Seite Ragnarök, der Untergang der Götter.

Einen Überblick über Figuren und Schauplätze der Götterwelt bietet die Übersichtsseite zur nordischen Mythologie.

Wo das steht

Namentlich gesetzter Ausgangspunkt der Fundstellen dieser Seite ist die Grímnismál, als zweiter, unabhängiger Beleg dient die Gylfaginning Snorri Sturlusons; beide liegen in der deutschen Übersetzung Karl Simrocks vor, die seit 1946 unter § 64 UrhG gemeinfrei ist. Moderne kritische Editionen scheiden als Zitierquelle aus, solange ihre eigene, kürzere Schutzfrist nach § 70 UrhG noch läuft. Diese Einordnung der Rechtslage ist redaktionell nach bestem Wissen und keine Rechtsberatung. Die vollständige Fundstellen-Tabelle folgt unten; Ausgabe und Übersetzer aller auf dieser Seite verwendeten Quellen listet zudem die Seite Edda-Quellen im Einzelnen.

BegriffFundstelle 1Fundstelle 2Anmerkung
SchilddachGrímnismál, Str. 9Gylfaginning, Kap. 2Zitat Thiodolf von Hwin
SæhrímnirGrímnismál, Str. 18Gylfaginning, Kap. 38Andhrimnir/Eldhrimnir
FólkvangrGrímnismál, Str. 14 („Volkwang“)Gylfaginning, Kap. 24 („Folkwang“)Orthographie-Divergenz
ValgrindGrímnismál, Str. 22Simrock: „Walgrind“

Was das heute bedeutet

Was hier folgt, ist Rezeption, nicht der überlieferte Mythos selbst. Das Videospiel „Assassin’s Creed Valhalla“ (Ubisoft, 2020) übernimmt den Namen Walhall unmittelbar als Serientitel und siedelt seine Handlung in einem Wikinger-Setting an, in dem auch die Asen und eine Asgard-Sequenz vorkommen. Weder Handlung noch Figurenkonstellation des Spiels folgen dabei den in dieser Seite belegten Fundstellen; es handelt sich um eine eigenständige Neuinterpretation, kein Beleg für den Mythos selbst. Eine Bewertung des Spiels oder eine Aussage zu Markenrechten trifft diese Seite nicht.

Nicht zu verwechseln mit

Walhall, die Halle der gefallenen Krieger in der nordischen Mythologie, ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Baudenkmal „Walhalla“ bei Donaustauf an der Donau. Dort erfolgte 1830 die Grundsteinlegung, am 18. Oktober 1842 wurde der Bau feierlich eröffnet; Bauherr war König Ludwig I. von Bayern, Architekt Leo von Klenze. Die Donaustauf-Walhalla ist eine Ruhmeshalle für bedeutende Persönlichkeiten deutscher Sprache, keine mythologische Stätte und kein Schauplatz der Edda. Wer nach der nordischen Halle der Gefallenen sucht, findet sie ausschließlich in der Erzählung der Edda, nicht in Bayern.

Häufige Fragen zu Walhall

Was ist Walhall?

Walhall ist die Halle der im Kampf gefallenen Krieger in der nordischen Mythologie, laut Grímnismál auch Gladsheim genannt.

Die Gylfaginning nennt sie Einherjar: Männer, die auf dem Walplatz gefallen sind und danach in Walhall aufgenommen werden.

Ja. Odin gilt laut Gylfaginning als Allvater und, wegen seiner gefallenen Wunschsöhne, als Walvater; er ist der Herr der Halle.

Der Name setzt sich aus altnordisch valr (die im Kampf Gefallenen) und hǫll (Halle) zusammen, wörtlich also Halle der gefallenen Krieger.

Walhall ist keine eigene Welt, sondern eine einzelne, golden gebaute Halle innerhalb Asgards, laut Gylfaginning die größte Halle, die dort errichtet wurde.

Kein direktes Gegenstück, aber ein struktureller Kontrast: Wer nicht im Kampf fällt, kommt nicht zu den Einherjar, sondern in das Totenreich Hel.

Quellen und Ausgaben

  • Karl Simrock: *Die Edda, die ältere und jüngere nebst den mythischen Erzählungen der Skalda*. 6. Auflage, Stuttgart/Augsburg 1876, Wikisource-Digitalisat. Grundlage aller wörtlichen Zitate und Fundstellen dieser Seite.
  • Snorri Sturluson: Verfasser der Gylfaginning (Snorra-Edda), zitiert nach der obigen Simrock-Übersetzung.
  • Methodik: Zitiert werden ausschließlich Wikisource-Digitalisate der Simrock-Ausgabe von 1876; moderne kritische Editionen unter § 70 UrhG werden nicht verwendet.