Sleipnir (nordische Mythologie): Odins achtbeiniges Pferd, Herkunft und Fundstellen
Der Mythos in Kürze: was Sleipnir in der nordischen Überlieferung ist
Sleipnir ist in der nordischen Überlieferung Odins achtbeiniges Pferd. In der Gylfaginnîng heißt es in der Reihe der Asenpferde: „Sleipnir, das beste, hat Odhin: es hat acht Füße“. Geboren wird es als graues Füllen mit acht Füßen, das Loki in Stutengestalt zur Welt bringt.
Sleipnir im Steckbrief: Definition, Herkunft, Merkmale und Fundstellen
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Mythologie | nordische Überlieferung; Leitausgabe Simrock 1876 |
| Definition | das achtbeinige Pferd Odins; die Prosa nennt es „das beste“ (Gylfaginnîng 15, S. 259) |
| Herkunft | Füllen des Hengstes Swadilfari, geboren von Loki in Stutengestalt (Gylfaginnîng 42, S. 276) |
| Reiter | Odin als Besitzer (S. 259); im Botenritt Hermodhr (S. 287) |
| Merkmale | grau, acht Füße (S. 276; S. 259) |
| Bezeichnungen | Odins achtbeiniges Pferd, Odhins Hengst (S. 287), das Ross Sleipnir (S. 275); Registerform Ross Odins |
| Hauptfundstellen | Gylfaginnîng 15, 42, 49; Grimnismâl 44; Vegtamskvidha 6; Skalda 59 |
Der Mythos: der Handel mit dem Baumeister und die Geburt des Füllens
Die Herkunft steht in der Gylfaginnîng, in Kapitel 42, das mit der Frage „Wem gehört das Ross Sleipnir?“ beginnt. Der Baumeister verlangt Freyja, Sonne und Mond und die Hilfe seines Pferdes Swadilfari; Loki rät zu. Eine Stute läuft aus dem Walde dem Hengst entgegen, und einige Zeit darauf wird ein graues Füllen mit acht Füßen geboren. Im Hyndluliodh heißt es bestätigend, in zwei Zeilen: „Den Sleipnir empfing er von Swadilfari“. Diese Seite führt die Registerform Svaðilfari; die Ausgabe schreibt Swadilfari.
„Loki selbst war als Stute dem Swadilfari begegnet und einige Zeit nachher gebar er ein Füllen, das war grau und hatte acht Füße und dieß ist der Pferde Bestes bei Göttern und Menschen.“
Simrock 1876, Gylfaginnîng 42, S. 276.
Hermóðrs Ritt in die Totenwelt: der Anteil des Pferdes
Im Botenritt, in Kapitel 49 der Gylfaginnîng, kommt das Tier an genau einer Stelle zu Wort: „Da ward Sleipnir, Odhins Hengst, genommen und vorgeführt, Hermodhr bestieg ihn und stob davon“. Diese Seite führt die Registerform Hermóðr, die Ausgabe schreibt Hermodhr. Neun Nächte reitet der Bote „tiefe dunkle Thäler“ bis zum Giöllfluße; am Ziel „setzte der Hengst so mächtig über das Gitter, daß er es nirgend berührte“. Das Ziel des Ritts hat eine eigene Seite: Hel, die Totenwelt, zu der der Bote reitet.
Befund: In der Episode S. 287 bis 289 fällt der Name einmal; sonst heißt es „vom Pferde“ und „der Hengst“. Meyers bestätigt den Anteil des Pferdes 1888, weicht aber ab: neun Tage statt neun Nächte, Frigg als Mutter (Bd. 8, S. 433).
Namen und Bezeichnungen: Registerform neben Ausgabenschreibung
Die Registerbezeichnung Ross Odins hat in der Leitausgabe null Treffer; belegt sind Odhins Hengst und das Ross Sleipnir, dazu bei Schauberg 1861 im ersten Band „das Leibross Odhins“. Die Registerform Grímnismál kommt ebenso wenig vor: Der Liedkopf schreibt Grimnismâl, das Inhaltsverzeichnis Grîmnismâl, das Register Grimnismal (S. 12, S. 469). Das Zeichen ð, das die Registerformen Svaðilfari und Hermóðr tragen, kommt in der ganzen Ausgabe nicht vor. Eine Wortherkunft des Namens geben weder die Leitausgabe noch Meyers.
Merkmale und Rang in der Überlieferung: acht Füße und die Rangaussage
- Acht Füße: nur zwei Stellen; achtfüßig kommt nicht vor.
- Farbe: grau für das Füllen; eine Gangart nennt die Ausgabe nirgends.
- Rang in der Prosa der Gylfaginnîng: „das beste“ in Kapitel 15, „der Pferde Bestes bei Göttern und Menschen“ in Kapitel 42.
- Rang im Lied, im Grimnismâl: „aller Rosse Sleipnir“, ohne das Wort bestes.
- Reihe der Asenpferde: elf Namen im täglichen Ritt der Asen zum Gericht.
- Runen, im Sigrdrîfumâl: „Auf Sleipnirs Zähnen“.
Lied gegen Prosa: wo das Rangwort steht und wo nicht
| Fassung | Wortlaut | Fundstelle |
|---|---|---|
| Prosa | „Sleipnir, das beste, hat Odhin“ | Gylfaginnîng 15, S. 259 |
| Lied | „aller Rosse Sleipnir“, ohne das Rangwort | Grimnismâl 44, S. 19 |
Dieselbe Strophe steht ein zweites Mal in der Prosa (Kapitel 41, S. 275), dort mit der Wortstellung „der Skalden Bragi“.

Bezüge in der Überlieferung: Reiter, Eltern und die Reihe der Asenpferde
Besitzer ist Odin, die Ausgabe nennt das Tier Odhins Hengst. Als Elternteil steht Loki, der das Füllen in Stutengestalt gebiert, als Vater der Hengst Swadilfari. Zur Halle nennt die Leitausgabe keine Stelle über das Pferd; belegter Rahmen ist die Reihe der Asenpferde, die Halle selbst behandelt Walhall, die Halle der Asen in der Überlieferung. Den Rahmen gibt die Übersicht zu den Wesen und Geschöpfen der nordischen Mythologie.
Odin als Reiter: die weiteren belegten Ritte
Im Wegtamslied, der Vegtamskvidha, schwingt Odin „den Sattel auf Sleipnirs Rücken“ und reitet „nach Nifelheim hernieder“. In der Skalda reitet er nach Jötunheim und verwettet sein Haupt darauf, dass es dort kein so gutes Ross gebe; Hrungnirs Gullfaxi hält dagegen. Die Biographie des Reiters führt Odin, den die Ausgabe als Reiter und Besitzer des Hengstes führt.
Wo das steht: die Stellenkarte des Pferdes in der Leitausgabe

| Aussage | Werkteil | Kapitel oder Strophe | Seite |
|---|---|---|---|
| Rang und Asenpferde | Gylfaginnîng | 15 | S. 259 |
| Handel und Geburt | Gylfaginnîng | 42 | S. 275-276 |
| Abstammung im Lied | Hyndluliodh | 37 | S. 123 |
| Botenritt | Gylfaginnîng | 49 | S. 287-289 |
| Rangformel im Lied | Grimnismâl | 44 | S. 19 |
| Ritt nach Nifelheim | Vegtamskvidha | 6 | S. 34 |
| Wettstreit mit Gullfaxi | Skalda | 59 | S. 301 |
| Runen auf den Zähnen | Sigrdrîfumâl | 15 | S. 185 |
| Kenning für Loki | Skalda | 13 | S. 344 |
| Bezeichnung „das Leibross Odhins“ | Schauberg 1861 | Bd. 1 | S. 128 |
| Deutung acht Tage/Odhins Ring (Furtwängler bei Schauberg) | Schauberg 1861 | — | S. 163 |
| Deutung Roßtrappen als Kultstätten (Meyers) | Meyers Konversations-Lexikon Bd. 13 | — | S. 983 |
| Aargauer Weihnachtslebkuchen in Rössleingestalt (Schauberg) | Schauberg 1861 | — | S. 404 |
| Gloss „der Schnellläufer“ | Schauberg 1861 | — | S. 163 |
Das Wortregister führt „Sleipnir 19. 34. 123. 185. 259. 275. 287. 301.“ (S. 478); zwei belegte Stellen fehlen dort, S. 276 und S. 344. Die Leitausgabe ist gemeinfrei, der Übersetzer starb am 18. Juli 1876. Die benutzten Ausgaben verzeichnet die Ausgabenkunde der benutzten gemeinfreien Edda-Texte.
Was das heute bedeutet: eine benannte Deutung der acht Füße und zwei belegte Nachwirkungen
Was das heute bedeutet, ist Deutung, nicht Überlieferung. Die Leitausgabe deutet die acht Füße an keiner Stelle. Die einzige zitierfähige Deutung trägt zwei Namen: Furtwängler deutet sie auf die acht Tage der Woche und verbindet sie mit dem Ring Odhins, referiert bei Joseph Schauberg. Meyers deutet 1888 die Roßtrappen als Kultstätten mit Bezug auf den Schimmel Odins, und Schauberg nennt die Aargauer Weihnachtslebkuchen in Rössleingestalt. Eine belegte Rezeptionsfigur aus Spiel, Film oder Literatur liegt nicht vor.
Nicht zu verwechseln mit: andere Pferde der Überlieferung und die eigenen Bezeichnungen
Nicht zu verwechseln mit den anderen Pferden derselben Ausgabe: Die Reihe der Asenpferde führt elf Namen, darunter Gladr, Gyllir, Gler und Skeidbrimir. Heimdall reitet den Hengst Gulltopp, daneben steht Baldurs Hengst; Hrungnirs Ross heißt Gullfaxi, Gulltopp und Gullfaxi sind zwei verschiedene Pferde. Zweitens begründet keine der eigenen Bezeichnungen eine zweite Gestalt: Name, beschreibende Formel, Registerform Ross Odins und die Schreibungen der Ausgabe meinen dieselbe.
Leserfragen zum achtbeinigen Pferd Odins
Warum hat Sleipnir acht Beine?
Die Leitausgabe nennt die acht Füße zweimal und deutet sie nirgends; eine benannte Deutung steht nur außerhalb.
Wer ist der Vater von Sleipnir?
Der Hengst Swadilfari; geboren wird das Füllen von Loki in Stutengestalt.
Was bedeutet der Name Sleipnir?
Die geprüften gemeinfreien Texte geben keine Wortherkunft; Meyers führt kein eigenes Stichwort. Belegt ist allein die Gloss „der Schnellläufer" bei Schauberg 1861.
Was heißt Sleipnir auf Deutsch?
Belegt sind Odhins Hengst und das Ross Sleipnir; Ross Odins ist Registerform.
Quellen und Ausgaben
- Karl Joseph Simrock (Übersetzer, 1802 bis 1876), Die Edda, 6. Auflage, Stuttgart 1876; Leitausgabe.
- Snorri Sturluson, Gylfaginnîng und Skalda, zitiert nach Simrock 1876.
- Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Bände 8 und 13 (1888-1889); unsignierte Artikel.
- Joseph Schauberg, Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei, Bd. 1, Schaffhausen 1861; darin die Deutung Furtwänglers.
- Alle Seitenangaben sind gedruckte Seitenzahlen.
- Auswahlregel: nur gemeinfreie Ausgaben, je Ausgabe einzeln geprüft.